Allgemeines
Uranus wurde von Wilhelm Herschel erst mehr als 170 Jahre nach der Erfindung des Fernrohres entdeckt. Er ist etwa doppelt so weit von der Sonne entfernt wie Saturn (19,18 AE) und benötigt für einen Umlauf rund 84 Jahre; dabei rückt er bis auf 2,73 Milliarden km oder 18,28 AE an die Sonne heran und kann sich bis auf 3 Milliarden km oder 20,08 AE von ihr entfernen.
Sichtbarkeiten
Uranus ist aufgrund seiner grossen Sonnenentfernung bereits so lichtschwach, dass man ihn ohne optische Hilfsmittel kaum noch finden kann – deshalb blieb er auch lange Zeit hindurch unentdeckt. Zwar bringt Uranus es in Sonnennähe (zuletzt während der Opposition im Spätwinter 1960) auf eine Helligkeit von etwa 5,3 Grössenklassen und kann dann fast mit dem etwas dunkleren Partner im Doppelsternsystem E1/E2-Lyrä konkurrieren, doch bewegt er sich so langsam, dass seine Planetennatur kaum auffällt. Zum Auffinden genügt aber auf jeden Fall ein Fernglas, das man zur Steigerung der Bildruhe am besten auf ein Stativ schraubt. In einem lichtstarken Instrument erscheint Uranus dann leicht grünlich, und schon mit einem kleinen Fernrohr sollte man ein Planetenscheibchen erkennen können – immerhin beträgt der scheinbare Winkeldurchmesser rund 3,5″. Da ist es eigentlich verwunderlich, dass Uranus erst so spät entdeckt wurde: 1665 zum Beispiel zog Jupiter gleich dreimal in geringem Abstand an Uranus vorbei, und dabei wäre es in den frühen Morgenstunden des 2. Mai fast zu einer Bedeckung gekommen; zu diesem Zeitpunkt waren Jupiter und Uranus zum Beispiel in Italien allerdings erst gerade aufgegangen, und bis der Himmel mit Beginn der nautischen Dämmerung (Sonne 120 unter dem Horizont) für Uranus allmählich zu hell wurde, konnten beide eine Höhe von etwa 160 erreichen – nicht gerade sehr viel, um einen „neün Planeten“ zu entdecken. Vielleicht war der Himmel an jenem Morgen auch gerade bedeckt.
Während einer (mittleren) Opposition schrumpft der gegenseitige Abstand zwischen Saturn und Erde auf etwa 1,28 Milliarden km, steigt der Winkeldurchmesser des Planetenscheibchens im Fernrohr auf immerhin knapp 20″. Die Helligkeit des Planeten hängt aber weniger von der wechselnden Oppositionsdistanz ab als vielmehr von der Achsneigung des Saturn relativ zur Erde: Blicken wir nämlich nahezu seitlich auf die Äquatorebene des Planeten, bleibt seine Helligkeit bei etwa 0,5 Grössenklassen „stehen“; sieben Jahre später dagegen, wenn Saturn um 900 weitergezogen ist, erscheint er um fast eine Grössenklasse heller, und selbst dann, wenn er einen halben Umlauf später durch den sonnenfernsten Bahnpunkt zieht, erreicht er noch die -0. Grössenklasse.
